„Nicht irgendwelche Klimpersachen“
Nanu, ein Hildesheimer? „Ja, wir sind hier dünn gesät“, bestätigt Oliver Eggers. „Ich hätte auch nicht gedacht, dass ich hier in Hildesheim etwas finde, um auf dem Level programmieren zu können.“ Er habe angenommen, nach Hamburg oder Frankfurt umziehen zu müssen. Stattdessen landete er bei Computer Praxis Frank Wuttke in seiner Heimatstadt, wo er am 13. Juli 1963 geboren worden ist.
Was meint er denn mit „dem Level“? „Nicht irgendwelche Klimpersachen, Spiele oder Access-Geschichten“, sagt Oliver Eggers. Sondern eine Profi-Software, mit der in ganz Deutschland mehr als 1000 Firmen arbeiten: Das Warenwirtschaftssystem Apertum. Und natürlich sein Nachfolger eEvolution. Insbesondere ist er für die Wartung der Warenwirtschaft und der Schnittstellen eines Drogerie-Discounters in Osteuropa zuständig. Daneben übernimmt er auch „normale Programmierungen, alles, was um Apertum herum so anfällt.“ Dazu gehören Olap-Datenbanken (Data Warehouse), eine Datenbanktool zur Ermittlung von Auswertungen. Bei dieser Lösung müsse sich der User nicht mit komplizierten Software-Details beschäftigen, sondern könne ein einfaches Excel-Programm nutzen. Ein zusätzliches Aufgabenfeld sind Oracle-Programmierungen auf PL/SQL-Basis.
Ursprünglich hatte Oliver Eggers eine völlig andere Richtung gewählt. Nach der Mittleren Reife machte er eine Tischler-Ausbildung und war im Anschluss an den Gesellenbrief noch anderthalb Jahre in dem Beruf tätig. Schon in der Schule habe er jedoch gerne programmiert, erzählt er, „irgendeine Riesenmaschine, wahrscheinlich von HP. Ich weiß nur noch, dass sie einen 64-KB-Speicher hatte, was mich sehr beeindruckt hat.“ Später habe er „die klassische Computer-Karriere durchlaufen“: C 64, Atari, PC. Er habe darauf gespielt und 3D-Grafiken oder Cheats für Spiele programmiert. Ein anderes Faible war es, Zeitschriftenrätsel per Computer anzugehen: „Der Kick an der Sache ist, den Lösungsweg zu programmieren.“
Nach der Bundeswehrzeit hat Oliver Eggers dann die Passion zur Profession gemacht und ein Informatik-Studium an der FH Wolfenbüttel begonnen. „Das war hochinteressant, aber stinklangweilig.“ Im ersten Semester habe es kaum Informatik gegeben, dafür endlose Vorlesungen in Mathe, Physik, E-Technik. Zu trocken, zu wenig Praxis für Eggers’ Geschmack: „Ich wollte nicht wissen, wie man das Rad neu erfindet, ich wollte rollen.“
Zu der Zeit berichtete ihm ein Schwager von einer Firma, die Probleme mit dem Handling der monatlichen Rechnungen hatte. Jeden Monat habe eine Bürokraft fünf Tage darauf verwendet, per Copy-and-Paste-Verfahren die alten Rechnungen zu übertragen und mit neuen Daten zu füllen. Eggers: „So etwas Ineffizientes hatte ich bis dahin noch nie in meinem Leben gesehen.“ Er habe eine „kleine Access-Anwendung“ programmiert, danach habe die Bürokraft nur noch einen Vormittag für die Arbeit benötigt.
Kurz darauf lernte Oliver Eggers auf der CeBIT den Computer Praxis-Chef Frank Wuttke kennen. Der Entschluss war schnell gefasst: Ein paar Tage später fing er in der Firma an und hängte das unbefriedigende Studium an den Nagel. Nur drei Wochen nach seinem Start bei Computer Praxis habe er bereits den ersten großen Auftrag übernehmen dürfen. „Das fand ich irre, dass einem hier dieses Vertrauen einfach mal vorgeschossen wird. Egal, wie neu ein Mitarbeiter ist: Wenn er einen guten Vorschlag hat, wird das aufgenommen.“
Die Frage, ob es ein Leben neben dem Computer gibt, beantwortet Oliver Eggers klar und knapp: „Nee.“ Wenn er nach Hause kommt, wird erst gegessen und gleich darauf der Rechner angeschmissen. „Daddeln. Spielen“, sagt Eggers. Einen wie ihn nennt man wohl einen Freak.
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